Schule damals - Schulpflicht, Schulordnung, Schulzucht

Schulpflicht

Bereits 1653 hatte Graf Philipp bei Androhung einer Geldstrafe einen regelmäßigen Schulbesuch verlangt. Man kann dies als Einführung der allgemeinen Schulpflicht in Schaumburg-Lippe ansehen.
1713 präzisierte Graf Christian die Schulpflicht. So sollten die Kinder jetzt sechs Jahre zur Schule gehen. Wer mit sechs Jahren mit der Schule begann, konnte mit 12 Jahren konfirmiert werden. Die Eltern mussten für ihre Kinder Schulgeld an den Lehrer zahlen. Das war oft ein Grund, sie nicht zur Schule zu schicken, obwohl das Schulgeld für sehr arme Schüler aus der Armenkasse der Kirche bezahlt wurde.
Im Jahre 1875 wurde ein neues Volksschulgesetz beschlossen, das am 1. Januar 1876 in Kraft trat. So begann jetzt das schulpflichtige Alter mit dem vollendeten 6. Lebensjahr und endete mit 14 Jahren.


Schulinspektion gab es schon damals

Einmal im Jahr fand eine Schulvisitation durch den Landesschulinspektor vom Fürstlichen Ministerium in Bückeburg und dem Lokalschulinspektor, meist war dies der hiesige Pastor, statt.
Der allgemeine Zustand der Schule wurde begutachtet und natürlich nahmen beide Herren am Unterricht einer Klasse teil.
Der Visitationsbericht, der einige Wochen später folgte, fiel nicht immer zur Zufriedenheit des Lehrers aus. So kann man zum Beispiel in einem Bericht lesen, dass die Schüler die Formen des Rechnens zu wenig kannten. Dem Lehrer wurde empfohlen, sich zum eigenen fleißigen Studium ein „Handbuch für Lehrer zum Gebrauch beim Rechenunterricht" anzuschaffen.


Schulordnung

In der Schulordnung von 1888 kann man u.a. folgendes lesen:
„Jedes Kind ist dafür verantwortlich, dass sein Platz rein gehalten wird.
Der Lehrer sehe streng auf körperliche Haltung der Schüler. Gebückte Stellung, eingedrückte Brust, etc. dürfen nicht geduldet werden. Die Hände dürfen nicht unter der Bank versteckt werden, sondern sind während des Unterrichts auf dem Tisch geschlossen zu halten.
Das Herausnehmen der Bücher und Tafeln geschieht am besten nach Kommando."


Strafen

Über die „körperliche Züchtigung", die erst 1946 für Mädchen vollkommen abgeschafft wurde und für Jungen nur noch in ganz besonderen Ausnahmefällen gestattet war, sagt die „Verordnung für die Schulzucht von 1894" folgendes aus:
„Wie überhaupt jede Strafe, so ist insbesondere die körperlich Züchtigung so selten als möglich anzuwenden .Sie soll bei Mädchen mittels einer aus dünnen biegsamen Reisern bestehenden Ruthe auf den Rücken, bei Knaben mittels eines dünnen biegsamen Rohrstocks auf das Gesäß vollzogen werden. Das Schlagen in die Hand, an den Kopf und in das Gesicht, sowie das Stoßen mit der Faust, das Reißen an den Haaren und Ohren ist untersagt."

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